Corinna Harfouch liest

#fuerallereichtesnicht

 
 

 

MÜLLER:
Die gesamte Geschichte ist insofern ein Tümpel, in dem einer auf den anderen tritt, um nach oben zu kommen. Es gibt dazu einen guten Witz: Ein Kommunist wird, weil er Atheist ist, nicht in den Himmel gelassen. In der Hölle sieht er den Genossen Marx, der steht bis zur Hüfte in der Scheiße. Ein Stück weiter steht Genosse Lenin, bis zum Hals in der Scheiße. Und dahinter Stalin, doch dem steht die Scheiße gerade bis an die Knöchel. Der Mann wundert sich und fragt den Genossen Stalin: »Wie hast du das gemacht?« Worauf Stalin antwortet: »Ich stehe auf den Schultern des Genossen Trotzki.« Das ist eine sehr schlaue Moral, denn wenn es Dichotomien gibt, dann gibt es mehr Chancen, und je mehr Dichotomien es gibt,um so größer sind die Chancen, aus der Scheiße herauszukommen. Das wußten schon die Indianer, die sagen: »Das eine ist das Böse.«

RADDATZ:
Bei Platon ist es genau entgegengesetzt: Das eine ist das Gute und Schöne …

MÜLLER:
Genau das ist das europäische Verhängnis.

[1989]

 

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Lesungen

 

Donnerstag 25.5.2017, 21.30 Uhr
Gorki Theater
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Samstag 29.4.2017, 19 Uhr
Residenztheater, Marstall
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Montag 24.4.2017, 20 Uhr
Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt a.M.
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